Die Komponenten des Pflanzsystems und ein wenig Hintergrundwissen:
Basiswissen Hydrokultur
Als Hydrokultur – im Englischen: hydroculture – wird international die Kultur von Pflanzen in Nährlösungen ohne Substrat bezeichnet. Im deutschsprachigen Bereich hat sich der Begriff Hydrokultur in den 1970er Jahren als Bezeichnung für die Kultur von Pflanzen in Blähton mit einem definierten Nährlösungs-Anstau in der Innenraumbegrünung durchgesetzt. Das ist bis heute das erfolgreiche und daher gängige Pflanzsystem. Es besteht aus folgenden Komponenten:
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Hydrokultur-Pflanze
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Kulturtopf
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Blähton
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Wasserstandsanzeiger
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Nährlösung
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Gefäß
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für Bodengefäße ≥ 20 cm Höhe: Düngerohr.

Blähton ist, wie der Name schon sagt, geblähter Ton, also aufgeblähtes Tonmineral. In ihm halten sich die Hydro-Pflanzen fest.
Für die Hydrokultur wählt man Ton aus bestimmten Lagen, der schon eine gewisse Blähwilligkeit mitbringt und relativ „neutral“ ist, also keine Stoffe absetzen kann, die der Pflanze schaden könnten. Im Drehrohrofen formt er sich zu den bekannten Kügelchen mit rot-brauner Außenhaut und dem dunklen Innenraum, der mit zahlreichen Luftkämmerchen durchzogen ist. Die Außenhaut des Blähtons ist bis zu einem gewissen Maße kapillar, das heißt, sie kann Wasser aufnehmen und weitergeben. Foto: Leca.

Kulturtopf
Der stabile Kulturtopf aus Kunststoff dient der Anzucht der Pflanze und erleichtert deren Transport und die Vermarktung. Es ist ein Spezialtopf, der seitlich eine Aussparung zum Einstecken des Wasserstandanzeigers hat. Außerdem hat er am Boden teilweise noch eine Aussparung, die früher zur Aufnahme einer Nährstoffbatterie diente.
Seitlich sind die Kulturtöpfe mit mehreren etwa 3-4 mm breiten Schlitzen versehen, die z.B. bei einem 19 cm hohen Topf in cirka 5 cm Höhe enden. Diese Schlitze sollen den Pflanzen das Herauswurzeln ermöglichen. Dazu mehr unter Hydrokultur für Fortgeschrittene.
Die Kulturtöpfe sind genormt und dadurch flexibel anwendbar und innerhalb der gleichen Gefäßhöhe austauschbar: Die für Tischgefäße sind 12 cm hoch, für Bodengefäße 19 cm.
Für beide Anwendungsbereiche gibt es unterschiedliche Topfdurchmesser. Beispielsweise bezeichnet „13/12“ einen Kulturtopf von 12 cm Höhe mit 13 cm Durchmesser. Niedrigere Topfhöhen als 12 cm sind schwierig, die Haltbarkeit von Pflanzen in solchen Töpfen erfahrungsgemäß gering.

Blähton
Blähton wird aus Naturton in Drehöfen bei Temperaturen von etwa 1.150 °C gebläht und gebrannt. So entstehen unregelmäßig runde Körner, deren Oberfläche rau und durch die eingetretene Sinterung weitgehend geschlossen ist (Keramik).
Die Wasserspeicherfähigkeit von Blähton ist gering und von untergeordneter Bedeutung. Seine Aufgabe: die Nährlösung aus der Anstauzone kapillar nach oben zu leiten. Der kapillare Aufstieg ist dabei auf etwa 15 cm begrenzt.
Die Qualität von Blähton wird im Rahmen der RAL-Gütesicherung von der Gütegemeinschaft Substrate e.V. überwacht und durch das Qualitätszeichen kenntlich gemacht.
Es hat sich gezeigt, dass der Einsatz von nicht gütegesichertem Blähton mit Risiken verbunden sein kann. Solche können sich durch zu hohen Salz- oder Kalkgehalt und insbesondere durch zu hohe Fluoridgehalte ergeben.
Derzeit gibt es zwei Hersteller, die Blähton für den sogenannten Grünen Bereich herstellen: Fibo Exclay Deutschland GmbH in Lamstedt („Lecaton“) und Liapor in Hallerndorf-Pautzfeld („Liaflor Hydroculture“).
Die verschiedenen Produkte werden teilweise unter verschiedenen Handelsnamen vermarktet. Blähton der Firma Liapor fällt durch eine nahezu ideale Kugelform und eine hellere rötliche Farbe auf. Die runde Form der Körner vermindert allerdings deutlich die Standfestigkeit der Pflanzen nach dem Einpflanzen.
Die ungleichmäßige Kornform, wie sie typisch für den Leca-Ton ist, hat im Vergleich dazu eine höhere Scher-Festigkeit. Sofern ein hellerer Blähton aus gestalterischen Gründen erwünscht ist, lassen sich beide Blähtone auch kombinieren, indem in Lecaton gepflanzt und die Oberfläche mit Liapor-Blähton abgedeckt wird.
In der Innenraumbegrünung wird vorwiegend die Körnung 8/16 (8-16 mm Korndurchmesser), teilweise auch die 4/8er Körnung eingesetzt.
Das RAL-Gütezeichen wurde bisher nur für „Lecaton“ der Firma Fibo Exclay vergeben.
Hydrokultur-Pflanze
Für die Hydrokultur werden ausschließlich Pflanzen verwendet, die bereits in Blähton angezogen wurden. Das Umstellen von Erdpflanzen auf Hydrokultur ist zwar möglich, aber riskant. Dazu mehr unter Hydrokultur für Fortgeschrittene.
Grundsätzlich lassen sich nahezu alle Pflanzen in Hydrokultur kultivieren, also auch Kakteen und andere Sukkulenten, sowie Orchideen. Allerdings sollten an trockene Standorte angepasste Pflanzenarten, falls überhaupt, nur wenig angestaut werden.
Bewährt haben sich in der Raumbegrünung überwiegend Grünpflanzen, weil sie besonders pflegeleicht und robust sind. Blühende Pflanzen sind dagegen eher die Ausnahme, wie beispielsweise Anthurien und Spathiphyllum. Viele Blühpflanzen benötigen zur Anlage von Blüten besondere Bedingungen hinsichtlich Temperatur, Lichtintensität oder Tageslänge. Der Pflegeaufwand ist höher, weil abgefallene Blüten entfernt werden müssen.
Die Auswahl von Grünpflanzen ist im Vergleich zu Blühpflanzen aus diesen Gründen viel größer. Allerdings hat sich auch hier im Verlauf der Zeit ein begrenztes Sortiment aus Gattungen und Arten herauskristallisiert, das besonders pflegeleicht ist, wenig von Problemschädlingen befallen wird und mit den häufig problematischen Lichtverhältnissen in unseren Wohn- und Arbeitsräumen gut zurechtkommt.

Nährlösung
Die Nährlösung besteht aus Wasser, dem alle Nährstoffe zugesetzt werden, die für das Pflanzenwachstum notwendig sind. Das klingt einfacher als es ist. An dieser Stelle soll deshalb zunächst nur das unbedingt Notwendige vermittelt werden. Wer es genau wissen will, kann sich unter Hydrokultur für Fortgeschrittene alle vertiefenden Kenntnisse aneignen.
Gießwasser
Die richtige Düngung hängt maßgeblich von der jeweiligen Wasserqualität ab. Je nach Standort oder Herkunft können im Gießwasser in unterschiedlicher Menge sowohl nützliche als auch unerwünschte Stoffe (Ionen) enthalten sein. Ein Patentrezept für die Düngung von Pflanzen gibt es somit nicht. Dies gilt für alle Kulturverfahren, also solchen mit organischen Substraten ebenso wie die Hydrokulturen in anorganischen Substraten.
Stark vereinfacht lassen sich die verschiedenen Wässer in folgende Klassen einteilen:
– Salzarm mit niedriger Leitfähigkeit und geringer Härte, wozu auch Regenwasser gehört
– Mittlerer Salzgehalt und mittlere Härte
– Hoher Salzgehalt und hohe Härte.
Detaillierte Informationen über die Leitungswasserqualität liefern die Wasserversorgungsunternehmen kostenlos direkt oder über ihre Internetseiten.
Vorsicht ist bei hauseigenen Enthärtungsanlagen geboten: Diese können die Zusammensetzung des Leitungswassers erheblich verändern. Enthärtetes Wasser ist als Gießwasser für Pflanzen in der Regel nicht geeignet! Weitere Einzelheiten siehe unter Hydrokultur für Fortgeschrittene.
Düngemittel
Auch wenn ein Düngemittel so deklariert ist: Es gibt keinen Spezialdünger für Hydrokulturen. Es hängt vielmehr von der jeweiligen Wasserqualität ab, welcher Dünger geeignet ist. Grundsätzlich gibt es folgende Möglichkeiten für die Düngung von Hydrokulturen:
– Ionenaustauscherdünger
– Flüssigdünger
– Salzdünger.
Verwenden Sie grundsätzlich keine Bio-Dünger, da diese durch mikrobiellen Abbau der enthaltenen organischen Stoffe zu nachhaltigem Sauerstoffmangel in der Anstauzone und zum Verpilzen der Substratoberfläche führen können.
Ionenaustauscherdünger, wie beispielsweise das bekannte „Lewatit HD5“, bestehen aus zwei unterschiedlich geladenen Kunstharzen, an deren Oberfläche Nährstoff-Ionen austauschbar gebunden sind. Der Austausch erfolgt mit den im Gießwasser vorhandenen Ionen, wie Kalzium, Magnesium, Natrium, Chlorid und Sulfat.
Der Einsatz von Ionenaustauscher-Dünger setzt somit ausreichende Gehalte an Salzen im Gießwasser voraus, wie es vielerorts im Leitungswasser gegeben ist. Der Ionenaustauscher-Dünger muss direkt in die Anstauzone appliziert werden, damit er seine Wirkung entfalten kann.
Bei Tischgefäßen geschieht dies durch direktes Einstreuen in das Gefäß, nachdem die Pflanze mit Kulturtopf herausgehoben wurde. Bei den größeren Bodengefäßen wird der Dünger über eingebaute Düngerohre verabreicht und beim Austausch alle 8-12 Wochen wieder entfernt.
Flüssigdünger sind hoch konzentrierte Stammlösungen, die, außer Kalzium und Magnesium, alle notwendigen Haupt- und Spurennährstoffe enthalten. Sie sind sehr beliebt, weil sie relativ preiswert sind und sich bequem dosieren lassen. Voraussetzung für deren Anwendung sind jedoch ausreichende Gehalte an Kalzium (> 100 mg Ca/l) und Magnesium (> 12 mg Mg/l) im Gießwasser.
Im Handel wird eine große Anzahl von Produkten angeboten. Sie unterscheiden sich in der Art der Stickstoff-Form, ob und in welcher Form Spurenelemente enthalten sind und im Verhältnis der Nährstoffe zueinander. Außerdem haben Tests gezeigt, dass einige Produkte erhebliche Mengen an unerwünschten Stoffen, wie Chlorid und Natrium enthalten können.
An dieser Stelle der Hinweis: Gute Markenprodukte haben ihren Preis! Flüssigdünger werden in der empfohlenen Konzentration bei jedem Nachfüllen der Gefäße verabreicht.
Salzdünger sind im Vergleich zu Flüssigdünger preiswerter, die Auswahl ist aber geringer. Meist handelt es sich um Abfüllungen von Profidüngern in kleineren Gebinden von etwa 1 bis 5 kg.
Eine besondere Bedeutung hat in diesem Zusammenhang das sogenannte Basisdünger-System, bei der ein Basisdünger, der außer Stickstoff und Kalzium alle notwendigen Nährstoffe enthält, mit einer zusätzlichen Stickstoffkomponente ergänzt wird.
Durch Wahl der N-Komponente als Kalksalpeter, Ammonnitrat oder schwefelsaures Ammoniak, kann das System auf alle Wasserqualitäten angepasst werden. Dieses Düngesystem wurde ursprünglich für den Profigartenbau entwickelt und wird unter Hydrokultur für Fortgeschritteneausführlich erklärt.
In Verbindung mit salzarmen Gießwässern oder Regenwasser lässt sich nur mit dem Basisdünger-System die Ernährung von Hydrokultur-Pflanzen optimal gewährleisten. In diesem Fall wird der Basisdünger mit Kalksalpeter (Kalziumnitrat) kombiniert, der neben Nitratstickstoff auch das notwendige Kalzium enthält. Eine Bezugsquelle für beide Düngerkomponenten finden Sie unter www.plantafert.com. Beide Düngemittel sind in kleineren Gebinden ansonsten leider nicht im Handel erhältlich. Salzdünger werden wie Flüssigdünger in der empfohlenen Dosierung bei jedem Nachfüllen der Gefäße verabreicht.

Wasserstandsanzeiger
Der Wasserstandsanzeiger zeigt die Höhe der angestauten Nährlösung im Gefäß an. Er hat drei Markierungen: Minimum – Optimum – Maximum“. Das Nachfüllen des Gefäßes soll erst erfolgen, wenn die Markierung „Minimum“ erreicht ist. Dann möglichst nochmals einige Tage warten, da bei dieser Anzeige immer noch etwa 1 cm Nährlösung im Gefäß vorhanden ist. Das Gefäß grundsätzlich nur bis zur Markierung „Optimum“ auffüllen.
Unter schlechten Wachstumsbedingungen (Winterhalbjahr) oder bei Pflanzen mit niedrigem Wasserbedarf (wie z.B. Sukkulenten, Beaucarnea, Orchideen) eher unter „Optimum“ bleiben und das Nachfüllen stoppen, sobald sich der Wasserstandsanzeiger bewegt.
Die Anzeige „Maximum“ war ursprünglich als Ausnahme bei längerer Abwesenheit (Urlaub) gedacht. Der Schaden war jedoch größer als der Nutzen. Dazu mehr unter Hydrokultur für Fortgeschrittene. Nur bei überdurchschnittlich hohem Wasserbedarf, etwa bei sehr hellem Standort der Pflanzen, kann es im Einzelfall sinnvoll sein, das Gefäß bis auf „Maximum“ aufzufüllen.
Wasserstandsanzeiger könnten somit auch nur die Markierungen „Stopp“ und „Gießen“ aufweisen. Noch ein wichtiger Hinweis: Wasserstandanzeiger können unter bestimmten Umständen auch mal „hängen bleiben“. Durch leichtes Klopfen kann man sich u.U. von der Funktionsfähigkeit überzeugen. Bei Tischgefäßen sollte der Anzeiger bei leichtem Kippen des Gefäßes reagieren.

Gefäß
Grundsätzlich müssen Gefäße für Hydrokulturpflanzen dauerhaft wasserdicht sein und dürfen keine Wechselwirkung mit der Nährlösung eingehen.
Dieser Forderung werden Gefäße aus Kunststoff oder Edelstahl gerecht. Standardgefäße bestehen aus Polystyrol oder auch Fiberglas mit unterschiedlich gestalteter Oberfläche und Lackierung. Werden aus gestalterischen Gründen andere Materialien verwendet, muss zumindest der Inneneinsatz aus Kunststoffmaterial sein.
Ansonsten wird am Markt für jeden Wohnstil passend eine große Anzahl unterschiedlicher Gefäße angeboten.

Düngerohr
Gefäße mit einer Höhe von 20 cm oder mehr sollten bei ausreichender Grundfläche stets mit einem Düngerohr ausgestattet werden. Vorteil ist der direkte Zugang zur Anstauzone. So lässt sich das Gefäß leicht mit Nährlösung nachfüllen und gegebenenfalls Ionenaustauscher-Dünger in einem Säckchen platzieren und wieder entnehmen.
Der Düngeschacht erleichtert auch wesentlich die Entnahme von Nährlösung für Kontrollmessungen oder im Bedarfsfall das Absaugen von überschüssiger Nährlösung beim Durchspülen der Gefäße.